Samstag, 13. Februar 2016

sechsundzwanzig wochen - halbzeit

Seit dem 13. August bin ich nun in Thailand - ein halbes Jahr, sechs Monate, 26 Wochen, 182 Tage und 4368 Stunden. 
Auf Grund dessen hier nun mein Zwischenbericht an meine Entsendeorganistion aus Deutschland. 
(Einige Zeilen überschneiden sich mit denen aus meinem letzten Blogeintrag).


Wo ist nur die ganze Zeit geblieben? Vergeht sie in Deutschland auch so schnell? Oder liegt das an der Zeitverschiebung?
Mittlerweile ist vielerlei zum Alltag geworden und ich schenke den Geckos an der Wand, den wunderschönen Sonnenuntergängen über den Bergen Mae Sais, den Sonnenstrahlen die schon morgens mein Gesicht kitzeln und mich wecken, dem Freiheitsgefühl, wenn der Wind durch die Haare weht bei der Fahrt auf dem Highway oder dem täglichen „Good Morning Teacher“ Sprechgesang meist zu wenig Aufmerksamkeit.
Doch gerade hier sind Kleinigkeiten die Dinge, die mich am glücklichsten machen.

Sei es das Erfolgserlebnis, das man verspürt, wenn man etwas auf Thai verstanden hat oder die abgelegte Schüchternheit der Schüler, wenn sie etwas laut in der Klasse vorlesen sollen.
Was steht noch für mich bereit? Wie wird es sein, wenn ich wieder in Deutschland bin? Wie wird der Moment, in dem ich meine „provisorische Familie“ verabschieden muss und meine Familie und Freunde aus Deutschland wieder in die Arme schließen kann? Werde ich Thailand in der Art vermissen, wie ich Deutschland vermisse?
All‘ diese Fragen und noch viel mehr schwirren mir in der letzten Zeit durch den Kopf. Alles Fragen auf die ich noch keine Antwort weiß oder ich Angst vor der genauen Antwort habe, denn die Zukunft ist doch noch ziemlich ungewiss.

Auch wenn ich einige deutsche Feste oder Feiertage vermisse bzw. vermisst habe, gibt es doch eine Vielzahl an Erlebnisse die dies voll und ganz entschädigen – Loy Kratong im November war bis jetzt eins der schönsten Feste das ich je erlebt habe.
Die tausend Farben, Lichter und glücklichen Gesichter mit den farbenfrohen und leuchtenden Kratongs und Himmelslaternen in der ganzen Stadt werden mir wohl ein Leben lang positiv im Gedächtnis bleiben.

Hier in Thailand haben wir an Weihnachten anstelle von Rotkohl Papayasalat und Stockbrot gegessen und an Silvester wurden keine Raketen sondern wunderschöne Himmelslaternen in die Luft geschickt. 
Aber Weihnachten spielte im Grunde auch keine so große Rolle, denn hier ist jeder Tag auf irgendeine Art und Weise besonders, dennoch war es schön dieses Fest gemeinsam zu verbringen und unter dem improvisierten Tannenbaum sich gegenseitig eine Kleinigkeit zu schenken.

Wir wurden zwar auf die eventuell eintretende Kälte in Thailand vorbereitet, jedoch habe ich dem keine besondere Beachtung geschenkt – bis vor kurzem das Thermometer 6 Grad Celsius anzeigte und wir uns wie in eine plötzliche Eiszeit zurückgesetzt fühlten.

An manches kann ich mich gar nicht gewöhnen, wie die fehlenden Absprachen oder Unpünktlichkeit der Thais, an anderes jedoch umso schneller – dass man in Thailand, wenn ein hoher Feiertag, wie der Königsgeburtstag, auf ein Samstag oder Sonntag fällt, wird ein freier Arbeitstag am Montag dran gehangen.
Die fehlende Absprache mit den Thais ist auch noch nach sechs Monaten „Eingewöhnungszeit“ immer noch nicht nachvollziehbar und gehört zu den Dingen die ich mir nicht nehmen lasse, auch wenn ich nun in Thailand lebe – wie die Pünktlichkeit.

Auch wenn sich mein aktueller Tagesablauf nicht sonderlich groß unterscheidet, hält er jedoch  meist noch neben dem Unterrichten an der Schule, dem täglichen Thaiunterricht, Sport oder einem Cafébesuch, die ein oder andere Hürde bereit, die zu meistern ist.

Der anfänglich als hässlich empfundene Ort Mae Sai entpuppte sich nach genauer Erkundung als ein unfassbar liebens- und lebenswertes „Zuhause“.
Mit seinen glitzernden Tempeln, bunten Märkten und verschiedensten Persönlichkeiten ist kein Tag gleich dem Anderen.

Nun heißt es die kommende Zeit mit mindestens genauso vielen schönen Erlebnissen und Eindrücken zu füllen, wie die vergangenen sechs Monate.
 

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